GEGENWART

als ich begann, den folgenden text zu schreiben, stand darüber die assoziative schleife VERGANGENHEIT, GEGENWART, ZUKUNFT. 

Gegenwart ist die Zeit, in der alle Ereignisse stattfinden?   link zum video AD[H]S 2008

GANZ im HIER & JETZT zu sein, sei es am arbeitsplatz, in der freizeit, privat, öffentlich, da sind bereits eine unmenge unausgesprochener hintergründe mit im spiel. im medium fernsehen ist zu sehen und zu hören, es bedarf professioneller moderation, um die gratwanderung zwischen unterhaltung, interesse und sehbeteiligung zu bewältigen, zu kompensieren. sei es eine lachende talkshow-runde oder ein brandheißes politisches thema im format „hart aber fair“. ob die redaktionelle auswahl beteiligter persönlichkeiten zu denkanstössen, zur vorurteilslosen meinungsbildung taugt? 

im dunstkreis der medien ein zitat: „Das Medium ist die Botschaft“ [ Marshall Mc Luhan * 21.o7.1911 – 31.12.1980 ] – er prägte in den 60er jahren die diskussion über medien.

mich bewegte die reflektion der sprachmuster vor allem in der bedeutung, selbst denken zu lernen. dies war im anfang unmittelbar nur mit sinnlichen wahrnehmungen verknüpft, vorurteilslos, phänomenal neugierig, naiv, dumm, arglos, orientierungslos. buchstäblich alleingelassen mit empfindungen. noch sehr viele jahre ohne sprache der wörter. ein kind lernt normalerweise spielerisch durch nachahmung von bezugspersonen, abhängig von zuwendung oder vernachlässigung – und vom phänomenalen sehen und hören.
im weiteren lebenslauf begann trotz des mangels an orientierung die wahrnehmung von welt als glücklicher zustand des staunens und der entdeckung eigener denkfähigkeit.
in der volksschule lernte ich 1950-1958 lesen und schreiben und das kleine einmaleins, u.a. in einer klasse mit drei jahrgängen. erst nach der volksschule begann ich mich selbst im denken zu üben. über das intensive lesen von literatur sah ich die innere und äußere wirklichkeit mit anderen augen, fand aus der sprachlosigkeit heraus den weg in eine ferne zukunft, die noch ohne erfahrungen des scheiterns mein ganzes wesen bestimmte.

ein springender punkt in meinem leben war von anfang an, ich lernte nicht zu lachen, nicht, daß ich es verlernte, nein, es ist in meinem wesen niemals eingebettet worden, wie der spaß anna freud. die gesichtsmuskulatur des lachreflexes war einfach nicht da, meine lippen entblößen auch heute keine reihe makellos weisser zähne, wie sie unentwegt ( ob bewegt, ist egal ) und allerorten in der werbung strahlende gesichter abbilden oder in talkshows glänzen. bloss als zum lachen völlig untalentierter mensch erwähne ich das abfällige lachen, das auslachen aus schadenfreude. ja, lachen ist gesund, zweifellos. „jeder tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener tag“. lächeln ist nicht ganz dasselbe, ein fremdes gegenüber anzulächeln, das kann ich immerhin auch, schön, wenn die oder der fremde zurücklächelt oder zuerst mich anlächelte, da freut sich mein herz. auslachen als spott ist weniger schön.

seit etwa zwei jahren habe ich gelernt, meine gesichtsmuskulatur zum lächeln, ja inzwischen sogar zum lachen bringen zu können, mit stimme und mimik, bewusst als reflex einzuüben.  das gehirn kann immerhin noch lernen, mit einem gendefekt besser klarzukommen, zu leben – ohne hilfe eines therapeuten die synapsen  bewusst ein wenig umzuprogrammieren.

autisten, so heißt es, fehle die fähigkeit des mitlachens.
zur diagnose AD[H]S wurde mir erst 2015 ein gendefekt bestätigt. – mit einigen der markanten merkmale des asperger autismus* kann ich seit jahren meine eigenen schwierigkeiten in der kommunikation viel eher lokalisieren, als mit den doch keineswegs eindeutig unterscheidbaren bei AD[H]S, ganz besonders in der zwischenmenschlichen kommunikation im alltag. doch in keiner meiner beruflichen erfahrungen als grafik-designer hatte ich jemals ein annähernd vergleichbares problem in der kommunikation. dort ging es primär um nutzung kreativer intelligenz – ohne blala, im leistungsprinzip war sogar stress für mich motivierend.

* merkmale im asperger autismus, hier reduziert auf solche, die auf mich stark zutreffen:
– Schwierigkeiten mit Menschengruppen, still sein in einer Gruppe
– Schwierigkeiten mit oberflächlichen Gesprächen
– nicht wirklich zu einer Gruppe gehören, lieber Kontakte unter vier Augen
– visuell denken: sich im kopf ein Bild machen.
– stark analytisch
– eher rational als emotional
– starkes Gerechtigkeitsempfinden
– Naivität ( für mich kein Widerspruch zum analytisch kritischen Denken )

eines der auffälligeren symptome von AD[H]S wird beschrieben als „impuls-kontrolle.“ einige erinnerungen an jahre zurückliegende situationen, wo ich irrational „emotional“ reagierte, weil ich mein gerechtigkeits-empfinden verletzt sah oder aber starke verlustgefühle im unterbewusstsein könnten als „impuls-kontroll“-verlust passiert sein.

soziale kompetenz wird gerne mit der sozialen intelligenz und der sozialen empathie gleichgesetzt“ heißt es; „wer sie besitzt, sei in der lage, bei allen sozialen interaktionen gegenüber anderen situationsangemessen und klug zu agieren. so jemand eckt seltener an und wirkt verbindlich – im doppelten wortsinn.“ (-) „schon im kindergarten oder in der grundschule (-) trainieren kinder ihre sozialkompetenz“. es sei dem einzelnen überlassen, kritisch zu hinterfragen, ob und wie diese anpassung an ein späteres leben funktioniert.

ich war schon als kind nicht emotional, ich war es auch in meiner jugend nicht. in meinen beziehungen, ob freundschaften oder liebesbeziehungen, gab es starke gefühle oder langeweile; beides vermag ich spontan auszudrücken, verbal, nonverbal, körperlich, solange nicht ausschließlich der smalltalk die grenze setzt und mich das anderssein dazu treibt, am rand der wörter zu verstummen.

nur in spielfilmen haben zuschauerInnen  die tolle möglichkeit, einer linearen chronologie folgen zu können. es gibt den anfang und das ende. ohne das grosse team im hintergrund wären regisseure ( spielleiter ) ziemlich alleingelassen mit den besten absichten. die dramaturgie, kamera und darstellende schauspielerInnen ( ob drama, komödie oder krimi ) sind auf professionelle zusammenarbeit angewiesen. die realisierung der szenen im drehbuch sind auf minutiöse planung, organisation und locations terminiert. die charaktere und beziehungen der darstellenden zueinander erlauben es, sich ein bild zu machen, warum diese oder jene person als besonders erfolgreich, tragisch, sympathisch, unsympathisch oder bösartig wahrgenommen werden kann. tiefe einblicke bis hinein in intimste momente. nach dem ende des spielfilms sind alle wieder zurück im eigenen leben. im sozialen umfeld des einzelnen sind wahrnehmungen und deren bedeutung nicht annähernd vergleichbar mit chronologisch aufeinander folgenden szenen, wie im beispiel spielfilm. 
selbst leben ist anders – ob mit oder ohne handicap.

https://autismusjournal.wordpress.com/2018/11/03/mit-hans-sprechen-2/?wref=pil

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